Rolle der Eltern beim kindlichen Fremdsprachenerwerb
Eltern sollten sich in erster Linie Klarheit darüber verschaffen, welche fremdsprachlichen Ziele sie sich für die Förderung ihres Kindes stecken. Soll das Kind gute Startbedingungen für den Fremdsprachenunterricht der Sekundarstufe I erhalten oder soll es am Ende der Schulzeit neben der Muttersprache zwei weitere Sprachen auf funktionalem kommunikativen Niveau beherrschen, wie die EU dies als Ziel formuliert hat? Bei der Zielformulierung sollten die Interessen und Bedürfnisse des Kindes im Vordergrund stehen.
Besucht das Kind eine bilinguale Einrichtung, beispielsweise eine zweisprachige Kita oder eine bilinguale Grundschule, sollten die Eltern zuhause keine zusätzlichen Lernaktivitäten anbieten. Es genügt vollkommen, dem Kind zu signalisieren, dass das Lernen von Fremdsprachen wichtig ist, beispielsweise dadurch, dass sie selbst eine neue Fremdsprache lernen oder ab und zu Musik, Bücher oder Filme in einer anderen Sprache konsumieren. Auch Urlaubsreisen in ein Land, in dem die Sprache, die das Kind als Fremdsprache lernt, gesprochen sind, können das Interesse des Kindes steigern. Wichtig ist, das Kind nicht unter Druck zu setzen. Da das Kind außerhalb des Elternhauses an der bilingualen Einrichtung bereits sehr viel Input in der Fremdsprache erhält, sollten Eltern darauf achten, dass die Muttersprache zuhause in besonderem Maße gepflegt wird. Einfache Möglichkeiten, dies auf effektive Weise zu tun, sind Gespräche mit dem Kind oder das Einführen von Vorleseritualen.
Ist keine bilinguale Einrichtung in der Nähe, können die Eltern bei ihrem Sprössling auch eigenständig das Interesse an Fremdsprachen wecken. An erster Stelle sollte aber auch hier stehen, dass das Kind Spaß an den Aktivitäten hat und die Sprache frei von Druck oder Leistungserwartungen für sich entdecken kann. Daraus sollte sich jedoch kein Mini-Unterricht entwickeln, da dieser für Kinder vor dem Schulalter noch nicht geeignet ist. Über (Bewegungs-)Spiele oder Lieder können Kindern beispielsweise schon erster Worte auf Englisch beigebracht werden. Ansonsten gilt auch hier, dass in erster Linie die Muttersprache gefördert werden sollte. Verfügt das Kind über solides muttersprachliches Wissen, wird ihm auch der Fremdsprachenunterricht an der Schule leichter fallen.
Kinder im Schulalter können neben dem Unterricht zusätzlich auch Online-Lernplattformen nutzen. Anhand kindgerechter Spiele in der Fremdsprache können Kinder nebenbei ihren Wortschatz erweitern, bereits Gelerntes anwenden und dadurch passives Wissen aktivieren. Eltern sollten natürlich sicherstellen, dass es sich bei den Plattformen um seriöse und altersangemessene Seiten handelt. Eine Übersicht zu Internetportalen, die sich für das Fremdsprachenlernen im Kindesalter eignen, finden Sie auf der Seite des Deutschen Bildungsservers (http://www.bildungsserver.de/zeigen.html?seite=6198) sowie auf Blinde Kuh, der ersten deutschsprachigen Suchmaschine für Kinder, welche vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird (http://www.blinde-kuh.de/sprachen/links.html).
Auch Familiensprachreisen in den Ferien sind eine gute Möglichkeit, Kinder für die Fremdsprache zu motivieren und gleichzeitig Zeit im Familienverband zu verbringen. Zudem schulen nicht nur die Kinder, sondern auch ihre Eltern ihre Fremdsprachenkenntnisse, was dazu führt, dass die Eltern besser mit ihren Jüngsten mithalten können. Gerade zu Beginn des fremdsprachlichen Lernweges ist es wichtig, die Fremdsprache auch in den Ferien zu nutzen, damit das Gelernte regelmäßig aktiviert wird und nicht zu schnell in Vergessenheit gerät. Eine derartige fremdsprachliche Förderung kann den Kindern einen Wiedereinstiegsvorteil nach den Sommerferien verschaffen und eventuell existierende fremdsprachliche Defizite gleich beim Entstehen verhindern. Eine Familiensprachreise ermöglicht es überdies, Lernen und Urlaub zu verbinden. Auch die „Langzeiteffekte“ einer Eltern-Kind-Sprachreise, beispielsweise eine erhöhte Lernmotivation, sollten nicht unterschätzt werden.


