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Bilinguale Erziehung

Oftmals entscheiden sich Eltern unterschiedlicher Herkunftsländer dazu, ihre Kinder bilingual zu erziehen. Wichtige Faktoren für eine erfolgreiche mehrsprachige Erziehung sind unter anderem, dass jeder Elternteil seine jeweiligen Muttersprache („Eine Person – eine Sprache“) spricht und dass die Eltern viel Zeit darauf verwenden, sich mit dem Kind zu beschäftigen. Zudem sollten beide Elternteile die Sprache des anderen verstehen und darauf achten, dass sich die Sprachen nicht zu oft mischen.

Die wichtigste Voraussetzung für einen erfolgreichen Spracherwerb besteht darin, dass das Kind ausreichend Input in beiden Sprachen erhält. Dieser kann durch den Einsatz zusätzlicher Medien, beispielsweise Videos oder CDs, zwar unterstützt, nicht aber ersetzt werden. Das Kind benötigt die Möglichkeit, die Sprache kommunikativ zu erleben und auch die Gefühle, den sprachlichen Ton, in dem etwas gesagt wird, wahrzunehmen. Emotionen und soziale Interaktion sind für Babys und Kleinkinder wichtige Faktoren zum Lernen einer Sprache.

Hat ein Elternteil viele Jahre im Ausland gelebt und verwendet die Sprache auch im Alltag häufig und sehr sicher, ist eine bilinguale Erziehung auch in einer Fremdsprache möglich. Der fremdsprachliche Sprecher in der Familie sollte in dem Fall keinen deutlichen Akzent seiner Muttersprache mehr besitzen und sich auch im Hinblick auf Grammatik und Wortschatz auf einem sehr hohen Niveau bewegen. Bei diesem Modell zweisprachiger Erziehung ist wichtig, dass die Fremdsprache nicht als aufgesetzt wahrgenommen wird, sondern auf natürliche Weise in der familiären Kommunikation verwendet wird. Ergänzend lohnt es sich, das Kind in eine bilinguale Kita oder einen Kindergarten mit fremdsprachlichem Förderungsangebot zu schicken.

Im Zweifelsfall sollte die Form der künstlichen bilingualen Erziehung, bei der kein Elternteil die Fremdsprache als Muttersprache spricht, eher vermieden werden. Eine inkonsequente Sprachverwendung im Elternhaus könnte das Kind verunsichern und anstatt zu einem Bilingualismus zu einem doppelten Semilingualismus (einer doppelten Halbsprachigkeit) führen. Auch die geduldige Förderung der Muttersprache kann langfristig sehr positive Auswirkungen auf die fremdsprachliche Entwicklung des Kindes haben, denn Untersuchungen zeigen, dass Kinder, die ihre Muttersprache sehr gut beherrschen, auch Fremdsprachen besser lernen.

Ein anderes Modell bilingualer Erziehung liegt bei Familien mit Migrationshintergrund vor. Dabei wird unterschieden, ob die Eltern die dominante Sprache der Umwelt oder eine Minderheitensprache sprechen. Oftmals wird zuhause die Familiensprache gesprochen und das Kind kommt nur außerhalb des Elternhauses in Berührung mit der so genannten „Umgebungssprache“. Durch den Besuch einer Kinderkrippe oder eines Kindergartens mit spezieller sprachlicher Förderung können diese Kinder ihre Umgebungssprache sehr schnell erwerben. Streng genommen handelt es sich bei diesem letzten Modell schon um eine Form sukzessiven Spracherwerbs, da das Kind mit Eintritt in die betreuende Institution bereits über grundlegende Kenntnisse und Strukturen seiner Muttersprache verfügt. Für einen simultanen Spracherwerb muss bereits in den ersten zwei Lebensjahren genügend Input beider Sprachen vorhanden sein.

Phasen des bilingualen Spracherwerbs

Im Rahmen einer bilingualen Erziehung durchlebt ein Kind im Wesentlichen drei Phasen. In der ersten Phase, die sich bis zum dritten Lebensjahr erstreckt, kann es beide Sprachen noch nicht voneinander unterscheiden und füllt sein mentales Lexikon (der Ort, an dem der Wortschatz einer Sprache im Gehirn gespeichert wird) mit Wörtern aus beiden Sprachen. In diesem Stadium spricht man von einer Mischsprache („Amalgamation“). Das Kind entwickelt zunächst noch keine grammatische Strukturen, sondern erwirbt lediglich einzelne Wörter. Für Begriffe aus einer Sprache kennt das Kind noch keine bedeutungsgleichen Ausdrücke aus der anderen Sprache.

In der nächsten Phase, der Phase der sprachlichen Differenzierung, welche ab dem Alter von zwei Jahren eintritt, bemerken die Kinder, dass ihre Eltern zwei verschiedene Sprachen sprechen und trennen diese zunehmend. Je nachdem, welches Modell bilingualer Erziehung praktiziert wird, kann es dazu kommen, dass eine der beiden Sprachen beim Kind dominant ist. Das heißt, dass die Sprache, mit der das Kind häufiger und intensiver in Kontakt kommt, hinsichtlich Wortschatz und grammatischer Ausgereiftheit weiter entwickelt ist. Um die schwächere Sprache zu fördern, kann ein Elternteil so tun, als verstünde es die dominante Sprache nicht, um das Kind aufzufordern, diese vermehrt zu verwenden. Auf diese Weise werden für den Erwerb der schwächeren Sprache nötige Lernprozesse eingeleitet und es bildet sich eine produktive Zweisprachigkeit aus.

In einer dritten Phase können die Kinder mit ungefähr drei Jahren beide Sprachen zuverlässig und systematisch trennen. Sie kennen Äquivalente der einen Sprache für Ausdrücke der anderen Sprache und können zwischen beiden Sprachen, je nach kommunikativer Absicht, wechseln. Das systematische und funktionale Wechseln der Sprache je nach Kommunikationskontext wird auch als „Code Switching“ bezeichnet.

Eine Phase der Sprachmischung, in der das Kind beispielsweise in einem deutschen Satz ein englisches Wort verwendet, tritt häufiger auf, wenn die Sprachen nicht getreu dem Modell „eine Person – eine Sprache“ getrennt werden. Es gibt viele Situationen, besonders in der Öffentlichkeit, in denen eine konsequente Sprachtrennung nicht durchgeführt werden kann. In den meisten Fällen sind solche Sprachvermischungen jedoch kein Grund zur Sorge und sollten mit Eintritt in die dritte Phase abnehmen.

Eltern, die ihr Kind bilingual erziehen möchten, sollten sich vorher genau über die Vor- und Nachteile dieser Form der frühkindlichen Fremdsprachenförderung erkundigen. Einige Hintergrundinformationen zum Thema „Bilinguale Erziehung“ finden Sie beispielsweise unter http://bilingual-erziehen.de.