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Bilinguale Kindertagesstätten und Grundschulen

Auch einsprachig aufwachsende Kinder können von Angeboten der frühen fremdsprachlichen Förderung profitieren. Im Alter von drei bis fünf Jahren fällt es Kindern immer noch sehr leicht, eine fremde Sprache zu lernen. Nichtsdestotrotz sind solche Altersangaben mit Vorsicht zu genießen und stellen alleine keinen Garant für eine muttersprachliche Beherrschung der Fremdsprache dar. Wichtig ist vor allem, das Kind nicht unter Druck zu setzen.

Bilinguale Kitas

Inzwischen wird an bilingualen Kitas und Kindergärten das Immersionsprinzip immer beliebter. Unter Immersion versteht man das „Eintauchen“ in den fremdsprachlichen Kontext im Sinne eines „Sprachbades“. Dadurch soll der natürliche Spracherwerb nachempfunden werden. Häufig spricht dabei eine Erzieherin die Muttersprache der Kinder und die andere die Fremdsprache, so dass beide Sprachen getreu dem Modell „eine Person – eine Sprache“ getrennt werden. Auf diese Weise hören die Kinder die Fremdsprache in vielen alltäglich auftreten Situationen und lernen über die Zeit, diese auch intuitiv zu verstehen. Durch den Einsatz von (Bewegungs-)Liedern und Reimen, festen Rituale und Spielen können Kinder im Sprachbad des bilingualen Kindergartens die Sprache nebenbei lernen und erfahren, dass das Lernen einer Fremdsprache viel Spaß bereiten kann. Bei der Methode der Immersion wird Sprache nicht zum Thema erhoben, wie dies im schulischen Fremdsprachenunterricht mit Grammatik- und Vokabeleinheiten der Fall ist, sondern natürlich durch Teilhabe erworben, wie dies auch beim Muttersprachenerwerb der Fall ist. Die Fremdsprache wird den Kindern unter Einsatz von Gestik und Mimik näher gebracht. Die Immersion gilt unter den Sprachlernmethoden weltweit als die erfolgreichste.

Bei der Wahl der Kita/des Kindergartens sollten Eltern darauf achten, dass die Kinder viel Input in der Fremdsprache erhalten, dass die Erzieher, welche sich um die Fremdsprachenförderung kümmern, möglichst Muttersprachler sind und dass diese die Sprache möglichst oft und in möglichst unterschiedlichen Kontexten verwenden.

In Deutschland gibt es laut dem „Verein für frühe Mehrsprachigkeit an Kindertageseinrichtungen und Schulen e.V.“ (FMKS) allerdings nur sehr wenige bilinguale Kitas. Lediglich rund 500 Kitas in Deutschland sind bilingual, was weniger als 1% der Kitas in ganz Deutschland ausmacht. Die meisten befinden sich im Saarland. Dort sind rund 25% der Kitas bilingual und beschäftigen sowohl deutsche, als auch französische Erzieher. Auf Rang zwei der meisten bilingualen Kitas liegen Berlin, Hamburg und Rheinland-Pfalz. Die wenigsten bilingualen Kitas gibt es in Mecklenburg-Vorpommern. Im Norden Schleswig-Holsteins befinden sich zudem viele bilinguale dänisch-deutsche Kitas. Im deutschlandweiten Vergleich dominieren zweisprachige Kitas, an denen Französisch gesprochen wird, was sich mit dem Verweis auf spezielle Förderungsprogramme für die französische Sprache in Saarland und Rheinland-Pfalz erklären lässt.

Bilinguale Grundschulen

Die Besonderheit von bilingualen Grundschulen besteht darin, dass 70% des Unterrichts in der Fremdsprache stattfinden. Lediglich der Deutschunterricht wird selbstverständlich auf Deutsch erteilt. Im bilingualen Unterricht wird oft auch die Immersionsmethode eingesetzt, was bedeutet, dass die Fremdsprache gleichzeitig die Rolle der Arbeitssprache wie auch der Umgangssprache einnimmt. Im bilingualen Fachunterricht stehen die jeweiligen Themen im Mittelpunkt, die Sprachkenntnisse werden nebenbei gefördert. Das Unterrichten auf der Fremdsprache hat zwar zur Folge, dass Inhalte anfangs etwas langsamer vermittelt werden können, Immersionskinder holen den anfänglichen Rückstand jedoch mit der Zeit, meist in den ersten zwei Schuljahren, auf. Als Konsequenz des Besuchs einer bilingualen Grundschule kann eine zweite Fremdsprache bereits ab Klasse 5 gelernt werden.

Die Befürchtung, dass die intensive Förderung der Fremdsprache negative Konsequenzen auf die muttersprachlichen Fähigkeiten der Kinder haben könnte, wurde von Vergleichstests widerlegt. Vielmehr konnten positive Auswirkungen festgestellt werden. Immersionskinder wenden das Wissen der Fremdsprache unbewusst auf die Muttersprache an. Ein in Hamburg durchgeführter Test zur Lesefähigkeit in der deutschen Sprache (HamLet) zeigt, dass Immersionskinder besser als Kinder ohne bilingualen Unterricht abschneiden. Auch die geistige Entwicklung der Kinder wird durch bilingualen Unterricht gefördert. Immersionskinder erreichen beispielsweise bessere Mathematikresultate, verglichen mit monolingual unterrichteten Kindern. Zudem lässt sich durch Immersion ein weitaus höheres fremdsprachliches Niveau erreichen als mit traditionellem Unterricht. In den Ländern Kanada, Australien, Singapur, Großbritannien, Spanien, Finnland und Frankreich wird Immersionslernen bereits erfolgreich in die Praxis umgesetzt.

Auch bilinguale Grundschulen sind in Deutschland rar gesät, wie der Verein FMKS feststellte. Deutschlandweit existieren nur 100 Grundschulen, an denen zweisprachig unterrichtet wird, darunter sowohl öffentliche als auch private. Die meisten bilingualen Grundschulen sind in Berlin und Hamburg zu finden, den zweiten Rang teilen sich Sachsen und Hessen, danach folgen Brandenburg und Rheinland-Pfalz. Noch weniger bilinguale Grundschulen gibt es in Baden-Württemberg, Thüringen und Nordrhein-Westfalen. Das Saarland, Bremen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern verfügen sogar über keine einzige zweisprachige Grundschule. In Schleswig-Holstein lassen sich aufbauend auf der großen Anzahl an dänisch-deutschen Kitas auch viele dänisch-deutsche Grundschulen finden. Die im deutschen Vergleich insgesamt häufigste Vermittlungssprache an bilingualen Grundschulen ist, im Gegensatz zu den bilingualen Kitas, die englische Sprache.

Eine Liste mit Adressen von bilingualen Kitas und Grundschulen finden Sie unter http://www.fmks-online.de/adressen.html.